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Tag 28: Du gehörst da nicht hin!
Arbeiterkind - ein Begriff wie aus dem 19. Jahrhundert. Aber für viele Menschen bedeutet, Arbeiterkind zu sein, auch im 21. Jahrhundert noch mit Problemen leben zu müssen, die in der der Öffentlichkeit kaum thematisiert werden: Viele Kinder aus Nichtakademiker-Familien bleibt ein Studium verwehrt, weil ihnen zu Hause Unterstützung und Motivation fehlt. Diese Verschwendung von Talenten kann sich unsere Gesellschaft nicht leisten, finden die Macherinnen der Internetplattform www.arbeiterkind.de und bieten Kindern Beratung und Hilfe bei Ihrer Entscheidung für eine Zukunft mit Universitätsabschluss.

07.10.2009 | ines
ganz großes kompliment an arbeiterkind. das ist eine richtig gute aktion.
05.10.2009 | Stefan
ich kann euch als arbeiterkind welches mittlerweile weiß, dass sein iq bei 143 liegt, das aber nur realschulabschluß hat, weil es zu den sogenannten minderleistern gehörte, ein lied davon singen. meine biografie: realschule, lehre im bauhandwerk, meisterbrief, studium (masterabschluß), betriebsleiter, geschäftsführer. meine erfahrung mit dem thema chancengleichheit könnten ernüchtender nicht sein. wir leben in einem land in dem die akademiker seit generationen aus familientradition akademiker sind. aus diesen akademikerfamilien stammen auch diejenigen akademiker die heute in unseren "bildungsstätten" am drücker sind. und diese menschen bleiben gerne unter sich. da werden junge menschen sortiert, wie handelsware, auch wenn dies nach befähigung geschehen sollte, zumindest bei den grenzfällen werden die akademikerkinder hochgehoben und alle anderen heruntergedrückt. dass ist fakt in deutschland, stand 2009. nicht falsch verstehen, wer seinen arsch hoch bekommt schafft es auch als arbeiterkind, aber derjenige geht den steinigeren weg. unser ausbildungssystem ist im wandel zum besseren, jedoch sind die alten zöpfe noch nicht weg. wenn die eltern weniger geld haben (da arbeiter nunmal weniger verdienen) sinkt die bildungschance ebenso wie wenn die eltern keine hilfestellung geben können, da ihnen schlicht das wissen fehlt. und da beginnt die ungerechtigkeit. es herrscht immer noch die meinung die "schule" sei nur etwas für die schlauen, doch genau das gegenteil ist der fall. der schlaue hat die schule weniger nötig als der weniger schlaue. hinzu kommt dass innerhalb des bildungswesens von vielen dort tätigen automatisch vorausgesetzt wird, dass das arbeiterkind weniger schlau sei und deshalb auch in der schule nichts zu suchen haben (mit schule meine ich natürlich ein studium). und dieses schubladendenken wirkt. dass ist es was den eltern früher vermittelt wurde und das wird auch heute noch den kindern vermittelt, wenn dies auch unterschwellig geschieht, es wirkt. ich kann euch dutzende leute zeigen die das zeug zu mehr hätten, ihnen wurde aber eingeimpft, dass eine höhere schulbildung nichts für sie ist.
bei den akademikerkindern sieht das anders aus, dort wird jeder sprossling schon im vorschulalter zum potentiellen genie gekürt. wenn der abkömmling dann doch nicht so schlau ist wird mit viel einsatz (und mit viel geld) versucht die schulischen leistungen soweit zu puschen, dass es dann irgendwie reicht. und es funktioniert, schließlich will man ja auch dem lieben herr doktor oder der frau professor nichts böses tun und ihre kinder einer chance berauben.
die große schweinerei an der geschichte ist, dass auf diese art und weise junge menschen (kinder) mit hoher befähigung zum facharbeiter und andere mit weniger befähigungen zum akademiker gemacht werden. gruß @babelfisch, du hast es erfasst!
und @ günther gabriel, du bist akademikerkind wa? es geht nicht um die CHANCENGLEICHHEIT gleich befähigter kinder, du bestätigst mit deiner aussage gerade zu, dass nicht die fähigkeiten eines kindes, sondern dessen erziehung, also nicht intelligenz sondern anerzogene verhaltensmuster im KINDESALTER, d.h. im alter zwischen sechs und zehn jahren über den werdegang eines menschen entscheiden. das ist dann fair? wenn die alten nichts taugen kloppen wir das kind gleich in die tonne? oder hab ich das falsch verstanden?
gruß an alle arbeiterkinder da draussen, macht den lehrerbubis und beamtentöchterlein den gar aus, bekommt euren arsch hoch und macht was aus euch, die armen kinder können die zeit auswenig aber haben nach qualvollem studium so in etwa die lebenserfahrung eines 15-jährigen, ihr macht die in punkto menschenkenntniss locker nass. und darum geht es heutzutage. wer erfolgreich sein will muss mit menschen umgehen können, und das kann jemand der bis 30 taschengeld und zum 18ten von pappi nen porsche bekommen hat in der regel nicht! auf sie mit gebrüll, dann bekommen die nämlich angst ;-)
02.10.2009 | Günther Gabriel
Arbeiterkind und Studiumförderung hin oder her: Ich hab was gegen diese Quotenmentalität. Letztendlich wird nunmal bereits in der Erziehung ein wesentliches Fundament für den weiteren schulischen Erfolg gelegt. Da macht es halt einen Unterschied, ob ich von Kindheit an jeden Donnerstag DIE ZEIT auf dem Tisch habe oder täglich die Bildzeitung. Die "Arbeiterkinder" mit Studium, die ich kenne, haben ihren "Hintern" selber hochgekriegt, sich letztlich von ihren Eltern abgegrenzt (sonst Gefahr von Identitätskrise) und ohne irgendwelche Zusatzförderungen losgelegt. Und diese Leute sind in der Regel mindestens genau so fit wie ihre Bildungbürgerkommilitonen. Dass es knapp 80 % Bildungsbürgerstudenten gibt, liegt wohl eher in der Natur der Sache (Erziehung etc.) als in der systematischen Unterdrückung der Arbeiterkinder. Aufraffen, Nachholen und Selbstdisziplin ist angesagt. Leider.
06.09.2009 | babelfisch
Schöner Beitrag. Was mir mehr Kopfschmerzen bereitet als diese Zahlen ist der Umgang mit Haupt- und Realschülern. Das Gymnasium ist die heilige Kuh des Bildungssystems und der Rest ist lediglich eine Form von Menschenverwaltung. Demotivierte, viel zu alte Lehrer, kaum Mittel und auch keine Strategie wie man die Situation verbessern könnte.
Gerade Arbeiterkinder brauchen jemanden, der die Talente entdeckt und fördert. Das kann nicht immer bereits in der Grundschule geschehen.
Hier muss endlich etwas passieren. Oder gibt es vielleicht auch in den bürgerlichen Häusern die Angst vor der Akademikerkonkurrenz aus den Arbeitermileu.
Professers Bubi muss ja auf das Gymnasium, auch wenn er nicht bis drei zählen kann.
03.09.2009 | Arbeiterkind
o.k., ich bin auch ein Arbeiterkind und habe studiert. Bei mir war das ehrlich gesagt nicht so ein Problem. Aber wenn es das für viele Leute anscheinend ist, warum wird das denn bitteschön nicht mal thematisiert. Warum interessiert das die feinen Politiker nicht, wenn es doch angeblich so wichtig ist, jedes Talent zu fördern?! Manchmal könnte man nur noch kotzen, wenn man sieht, wie viele einfache Probleme es in diesem Land gibt und wie weit die Politik davon entfernt ist!
02.09.2009 | Studiosus
Ist es wirklich das "Alle Chancen offenhalten"? Oder fehlt uns nur der Allerwerteste in der Hose, zu entscheiden? Einfach mal "nein" sagen können, wenn die nächste Alternative geboten wird. Die Kinder sind bis 4 auf der Schule, danach Hausaufgaben, dann noch Vereinfußball, Freunde. Das ist eine "Ich will alles Mentalität". Das hat nichts mit Wettbewerb zu tun. Mein Kind kann eine gute Rolle auch im Jobleben spielen, auch wenns nicht bereits in 25 Ländern dieser Welt gelebt hat. Und noch etwas: Erwerbsarbeit ist nicht alles. Auch die Starnberger Tafel arbeitet. Nur gibt es dafür kein Geld, keine Business class-Flüge und keine Aufstiegschancen. Aber es ist so verdammt wichtig. Bitte fangt an, etwas anders zu bewerten. Das wäre die wichtigste Erkenntnis aus der Krise.
02.09.2009 | jochen peters
das problem ist doch, dass das abitur immer mehr zur grundvoraussetzung für eine erfolgreiche berufslaufbahn wird - egal, was du später mal machen willst. bankaufmann - abitur. kfz-mechaniker - mindestens realschule, besser auch abitur. kein wunder, dass die eltern ihre kinder lieber aufs gymnasium schicken. sie wollen ihrem nachwuchs alle chancen offen halten.
chancengleichheit ist das stichwort. und wenn ich als haupt- oder realschüler kaum chancen habe, ein leben mit auskömmlichem einkommen zu führen, das mir erlaubt, mal ein haus zu bauen oder eine familie zu gründen - dann ist doch klar, dass es immer mehr abiturienten gibt. und es ist auch klar, dass dadurch der klassische arbeiter abgewertet wird. das ist dann was für übrig gebliebene, die, die es nicht geschafft haben.
wir müssen uns nicht wundern, dass sind entwicklungen in unserer immer mehr auf wettbewerb und effizienz ausgerichteten gesellschaft. nicht, dass ich was gegen wettbewerb habe. aber wir sollten schon darauf achten, dass alle mitkommen.
02.09.2009 | Studiosus
Nicht falsch verstehen: ich finde diese Initiative richtig gut! Und wer das Zeug zum Studieren hat, der sollte das unbedingt tun. Da haben Vatern und Muttern die absolute Pflicht, zu beschleunigen statt zu bremsen. Aber heutzutage ist es doch eher umgekehrt. Die Eltern sind derart ehrgeizig, die wollen ihre Kinder zu Supergebildeten machen. Dreisprachig schon zu Schulbeginn. Da gehen Kinder ins Gymnasium, die hätten in der Realschule mit Sicherheit erfülltere Tage. Mal wieder ein bisschen mehr in sich reinhorchen und darauf acht geben, was wirklich passt und gut ist, das wäre an der Tagesordnung.
02.09.2009 | malle
dass das arbeiter-bild nix mehr zählt, siehst du daran, dass die hauptschule abgeschaft wird.
02.09.2009 | Sabrina
Das stimmt, studiosus, wenn jemand sich aufgrund der Wahlmöglichkeiten für eine Karriere als Arbeiter entscheidet, sollte man genauso viel Respekt vor diesem Menschen haben wie vor dem Menschen, der studieren möchte.
Entscheidend ist einfach nur, dass derjenige die Wahl hatte, dass er weiß, dass er studieren könnte, wenn er wollte und das Zeug dazu hätte. Wenn er dann sagt:"Ich möchte lieber eine Ausbildung beginnen" dann hat er das gleiche geschafft wie ein Student, der plant drei Doktortitel zu machen.
Wichtig ist einfach nur, dass die Leute, die sich gar nicht mit all dem auskennen, ermutigt werden, dass sie nicht alleine sind und wissen, dass sie auch andere Wege gehen könnten. Ob sie letzten Endes eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, das ist nicht wichtig. Es geht einfach darum, dass jeder die Wahl und die Möglichkeit hat und man vor beiden Alternativen Respekt zeigt.
01.09.2009 | Studiosus
Wenn die Eltern sagen, geh mal lieber nicht studieren, spricht da auch ein Status- und Standesbewusstsein mit. Wir sind Arbeiter und richtig stolz darauf! Es ist super, dass es die Arbeiterkinder gibt, aber ich finde es eigentlich auch ganz gut, in einer Gesellschaft, in der am liebsten jeder drei Doktertitel vor dem Namen stehen haben will, den Arbeiter hoch zu halten.
01.09.2009 | jochen peters
was es nicht alles gibt. so trist dieses land einem oft vorkommt, so schöne sind solche beispiele. die zeigen, dass menschen sich immer etwas einfallen lassen. keep up the good work!