Das Team
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Miriam Janke
Nun muss ich Roger Willemsen nicht mehr beneiden. Für sein Buch „Deutschlandreise“ ist er kreuz und quer durch die Republik gefahren und hat sein Ohr an den Puls der Zeit gelegt – wie tickt dieses Land? Welche Menschen und Geschichten hat es?
Jetzt kann ich mich mit Deutschland 24/30 selbst auf den Weg machen. Und herausfinden, was ein paar der 82 Millionen Menschen über unser System denken, wie sie mit diesem Land und der Sozialen Marktwirtschaft leben – und leben wollen. Schließlich geht es nicht einfach um Steuersätze, Sozialversicherungsnummern und Solidaritätszuschläge, sondern um Lebenschancen und die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit.
Die auch ich jeden Morgen neu finden muss, wenn ich als freie Journalistin in Berlin aufwache und mir überlege, für wen und über was ich einen Artikel schreibe, einen Radiobeitrag mache, ein Training gebe oder moderiere. Ich brauche beides, Freiheit und Sicherheit. Die Freiheit, Kulturwissenschaften studieren und eine Ausbildung zur Journalistin machen zu können, mich beruflich und kreativ auszutoben und keinen Chef zu haben. Und die Sicherheit, beim Studium durch Bafög unterstützt zu werden und eine Krankenversicherung zu haben. Denn drei Jahre in Lateinamerika haben mich zwar sehr geprägt – konnten aber das ur-deutsche Verlangen nach einer schönen, kleinen Krankenkassenchipkarte nicht tilgen.
Mexiko, Jamaika, Brasilien sind Länder, in denen ich mich zu Hause fühle. Berlin ist der Ort, an dem ich angekommen bin. Auch, weil hier die Welt zusammenkommt, die Stadt interkulturell ist, voller Wasser und Grün, verschiedener Lebenswelten und -entwürfe. Hierher kann ich zurückkommen, wenn Weltumrundungen und Deutschlandreisen vorbei sind.
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Sophie Bleich
Die eigene Heimat neu entdecken? Dabei in einem Wohnmobil die Republik durchkreuzen? Und forschen, wo und wie die Soziale Marktwirtschaft stattfindet? Bei dem Angebot konnte ich nicht nein sagen! Als angehende Journalistin, die sich mit 15 über die ersten gedruckten Worte in der Berliner Zeitung freute, will ich die Herausforderungen und Chancen wahrnehmen, die sich mir mit dem Projekt bieten. Wann hat man schon die Chance, ein Land richtig gut kennen zu lernen und den Menschen, die in ihm wohnen, Geschichten zu entlocken? Einmal schon hab ich das in der Türkei und in Ägypten gemacht, als ich in beiden Ländern gelebt hab und unglaubliche Geschichten gehört habe. Aber ich will mehr: Ich will mehr sehen von der Welt, ihren Menschen begegnen und dem Erlebten ein Gesicht geben!
Ich weiß, dass die Soziale Marktwirtschaft seit 60 Jahren unsere Wirtschaft beeinflusst, aber wie beeinflusst sie das tägliche Leben der Bürger in Deutschland? Werden wir den Uniprofessor treffen, der ein unbeschwertes Leben hat? Oder die Krankenpflegerin, die trotz harter Arbeit wenig Geld verdient? Oder den Schüler, der noch nicht so recht weiß, was er machen wird? Oder ganz andere Menschen, deren Geschichten uns sehr überraschen werden? Ich bin gespannt, wie vielfältig dieses Land ist und wie die Menschen mit der Sozialen Marktwirtschaft Tag ein und Tag aus leben, auch wenn es ihnen vielleicht nicht bewusst ist. Mich selbst betrifft das mehr denn je, denn mein Studium der Geschichte und Kultur des Vorderen Orients neigt sich dem Ende zu und auch ich muss mir überlegen, welche Perspektiven der Arbeitsmarkt für mich bereit hält. Jetzt aber will ich erst einmal als Reporterin die Fußabdrücke der Sozialen Marktwirtschaft aufspüren!
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Helge Oelert
Jules: "Basically I'm just gonna walk the earth."
Vincent: "Whatcha mean 'walk the earth'?"
Jules: "You know, like Caine in Kung Fu - walk from place to place, meet people, get in adventures.”…
“So you decided to be a bum,“ schließt Vincent in Pulp Fiction aus dem Plänen des berufsmüden Killers. Dabei bin ich sicher, Jules hat gerade beschlossen, „Journalist“ zu werden, denn genau das ist es, was wir tun: Rumlaufen, Leute treffen, Abenteuer erleben. Wie einst Caine eben. Und wahrscheinlich ist es der Direktkontakt der Phantasie meiner frühen Kindheit in Hamburg mit der Serie „Kung Fu“, der mich mit dieser Leidenschaft infiziert hat.
Jedenfalls laufe ich seither herum, treffe Leute und erlebe Abenteuer. Irgendwann während des Politikstudiums hab ich angefangen, darüber zu schreiben, später wurden daraus Ton- und noch später dann Bildgeschichten. Mit dem Abschluss an der Berliner Journalistenschule hat diese Beschäftigung auch einen Namen bekommen, und seither sage ich immer, wenn ich gefragt werde, ich sei Reporter.
Als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, mit einem Wohnmobil durch Deutschland zu fahren und Geschichten über die Soziale Marktwirtschaft zu suchen, war ich gleich dafür – zum Teil, weil ich es spannend fand, einem Phänomen nachzuspüren, das wir alle täglich erleben, aber kaum wahrnehmen. Vor allem aber, weil ich die Chance witterte, mal wieder Caines Fährte aufzunehmen.
