Tag 9: Der Schweinejäger

Hoch oben auf dem Wagen steht er. Mitten im Feld. Mit einem Gewehr auf der Schulter.
Sehr skurril wirkt die Szene auf uns, als wir daran vorbeifahren. Was macht dieser Mann da? Warum steht er mit einem Gewehr bewaffnet auf der Motorhaube seines Autos? Die Frage lässt uns nicht los, also drehen wir zwei Kilometer weiter wieder um, um herauszufinden, was es damit auf sich hat.

Am Wegesrand geparkt machen wir uns auf den Weg, durch das Feld zu stapfen. Ich ahne schon, dass ein Mann, der ein Gewehr bei sich trägt, sicher nicht für einen Kaffeeplausch zu haben ist, aber die Neugier treibt uns zu ihm. Unsere Beine sind vom Marsch durch die halbgeernteten Felder schon ganz wund, weil wir uns querfeldein bewegen. Er, der sehr beleibte Mann auf dem grünen Jeep, beachtet uns gar nicht. Genau dann aber, als wir ein Foto von der Szene schießen, dreht er sich grimmig guckend um. Ich geh in die Offensive und frage zuckersüß, was er denn da treiben würde. Unser Jäger verzieht keine Miene, betrachtet den Fotografen argwöhnisch und belässt es bei seiner verschränkte-Arme-Haltung. Maulig gibt er uns nach einiger Zeit zu verstehen, dass er nicht so begeistert von der Fotoaktion sei, und dass wir hier auch nicht rumlaufen sollen.

Pause.

Wieder lässt er mit Wortbeiträgen auf sich warten. Ich hake nach. Was hat es damit nun auf sich? Warum steht er hier allein auf dem Feld auf seinem Auto und beobachtet die Mähdrescher beim Ernten des Feldes? Er scheint zu merken, dass wir drei Stadtkinder das Feld nicht verlassen, bevor er uns nicht Aufschluss gibt.

"Ich schieß die Schweine ab", antwortet er kurz und immer noch erstaunlich schlecht gelaunt. "Wie, was, warum Schweine?", fragen wir einigermaßen verdutzt. Er erklärt uns darauf hin, dass sich die Schweine bis zum Ende der Ernte in den Feldern verstecken würden und sie dann hervorschnellen und sofort erschossen werden müssten. Aber nicht etwa, um gleich als Wurst auf dem Teller des dickbäuchigen Charmeurs zu landen, sondern weil sie die Schweinegrippe in sich tragen können. Er hat die Order, alle zu erlegen und beim Gesundheitsamt Proben einzuschicken. Nur wenn diese negativ sind, werden sie zu seinem nächsten Mittagessen.

In einer orangenen Warnweste muss er nun noch bis zum Abend auf seinem zur Szenerie passenden grünen Jeep ausharren. Wahrscheinlich mag er bei der Arbeit einfach keinen Besuch. Das gibt er uns auch zu verstehen. Wenig später sagt er, dass sein Kollege am anderen Ende des Feldes uns, weil wir keine Warnwesten tragen, auch für Schweine halten könne. Soweit schon mal ein sehr charmanter Satz von ihm. Aber dabei bleibt es nicht. Er lässt es sich nicht nehmen, uns auch noch zu sagen, dass sein Kollege uns eigentlich hätte erschießen können...die Sichtverhältnisse seien ja so schlecht. Alles klar... das haben wir verstanden und machen uns im wahrsten Sinne des Wortes schleunigst vom Acker, um nicht vom "Herrscher über das Schweinefeld" erschossen zu werden. Schade, nicht einmal zum Abschied winkt er mir, als ich es vom sicheren Auto aus probiere.

15.10.2009 | Axel Dörken

Super!

Schweine-Mord für den Profit und die erfundenen so gneannten Krankheiten der Pharamindustrie.
Ohne weitere Worte.

Liebe Grüße
Axel