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Tag 5: Der Kaiser und das Volk
Wenn die Bauern kein Geld für Brot hätten, dann sollten sie eben Kuchen essen – diesen Satz schreibt man Marie Antoinette zu, und auch wenn nie geklärt werden konnte, ob ihr diese erstaunlichen Worte je wirklich über die Lippen kamen, so weiß man doch, dass jene sehr bald samt Kopf in einem bereitgestellten Auffangkorb landeten - unter der Guillotine. Etwas besser erging es den Gebrüdern Zwanziger, die ihren hungernden Webern empfahlen, doch Gras zu fressen, wenn es für Kartoffeln nicht reiche. Der Mob stürmte ihr protziges Haus - allerdings blieb es bei Sachschäden.
Merke: Allzu sichtbare Gleichgültigkeit der Reichen gegenüber den Nöten der Wenigerbetuchten kommt nicht gut. Und so postuliert man keck ins Grundgesetz „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“, und deshalb spendet heute jeder, der was auf sich hält, in großen Gesten für die Armen dieser Welt.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo das soziale Netz recht grobmaschig geraten ist, gehören Spendengalas und Charityveranstaltungen zum guten Ton, aber auch bei uns scheint solch freiwillige Wohltätigkeit schwer im Kommen. Dabei hat die Soziale Marktwirtschaft eigentlich den Anspruch, die Verwerfungen im freien Spiel der Kräfte durch Regulation, Sicherungssysteme und Sozialstandards zu korrigieren.
Aber gelingt ihr das heute noch so, wie einst gewünscht? Bei einem Charitygolfturnier von Kaiser Franz Beckenbauer wollten wir erfahren, wie die Schönen und Reichen die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit in unserer Gesellschaft beurteilen.

13.10.2009 | Axel Dörken
"Eigentum verpflichtet" ist eben eine ganz andere Aussage als "Aus Eigentum ensteht eine Pflicht."
Die Vorsilbe "ver" macht aus der Pflicht, aus der Pflichtung, eine Wischiswaschi-Angelegenheit.
Genau so, wie Trauen zu Ver-trauen und kommen zu ver-kommen verkommt. - Es kommt nicht, es geht. Es ver-flüchtigt sich. Es ist eben auf der Flucht aber doch noch, so gerade, wahrnehmbar.
Genau wie der Unterschied zwischen den Worten Pflicht und Verpflichtung für die meißten Menschen kaum noch wahrnehmbar ist.
Liebe Grüße
Axel