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Tag 28: Du gehörst da nicht hin!
Aufgeregt ist sie. Nervös wiegt sie sich von einem Fuß auf den anderen. Noch eine Zigarette will sie rauchen, bevor es losgeht. Vivien macht sich Sorgen wegen des Interviews. Als Mentorin Tipps zu geben, falle ihr nicht schwer, sagt sie mir. Mit großem Engagement setzt sie sich für die Sache von Arbeiterkind.de ein. Aber hier Interviews geben, das ist ihr unangenehm.
Vielleicht liegt das an der von ihr beschriebenen Unsicherheit. „Als Arbeiterkind gehört man hier nicht hin“ – ein Satz, den sie mir noch öfter sagen wird. Ich versuche ihr die Unsicherheit zu nehmen, aber aus dieser Selbstwahrnehmung kommt man so schnell nicht raus. Sie sagt, dass die Unsicherheit die Arbeiterkinder zum Teil ein Leben lang verfolgt, auch wenn sie schon lange erfolgreich im Job sind.
Ihre Unsicherheit ist aber nicht berechtig. Sie hat es schon zu viel gebracht und macht nun den wichtigen Schritt, hier über ihre Belange zu reden. Wer könnte besser für die Arbeiterkinder sprechen als sie? Exemplarisch scheint es, dass sie es unter denkbar ungünstigen Umständen in einem Arbeiterhaushalt bis in die Uni geschafft hat. Sie hat Vorbildfunktion für die Arbeiterkinder, die viel erreichen wollen, aber nicht wissen, wie sie das verwirklichen können.
Vivien glaubt an Chancengleichheit. Grundsätzlich ermögliche die Soziale Marktwirtschaft den Zugang zum Studium. Sie bedauert nur, dass die Arbeiterkinder einfach nicht genug Informationen haben. „Manchmal stelle ich mir vor, wie viel einfacher es gewesen wäre, wenn ich auch die Informationen gehabt hätte.“ Damit die nächste Generation die Bildungschancen uneingeschränkt nutzen kann, engagiert sie sich bei Arbeiterkind.de. „Vielleicht haben sie es dann leichter.“
