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Tag 23: Kopf oder Adler für den türkischen Schlachter
Ein Mitternachtsdreh in einer Eckkneipe? Mit Taxifahrern, Studenten und Nachtschwärmern, mit denen man sich spontan über ihr Leben, Deutschland, ihre Situation in diesem Land und Gott und die Welt unterhält? Am Tresen herausfinden, was Menschen gerade bewegt? Super, will ich machen!
Sophie allerdings auch. Erst versucht sie, mich argumentativ ins Aus zu katapultieren: „Ach komm, da muss man einen mittrinken und du magst doch eh kein Bier!“ Stimmt, Weinliebhaberinnen könnten in Eckkneipen scheel angeschaut werden. Egal, dann trink ich halt eine Apfelschorle und oute mich als Tresenblümchen.
Dann wirft Sophie eine Münze. Bei Zahl darf ich gehen, bei Adler sie. Und? Scheiß Federvieh. Sophie und die Crew ziehen also nachts los, ich bleibe im Hotel. Bereite den nächsten Tag vor, lese amüsiert in den herumliegenden Zeitschriften („Ich will ein Kind von dir! – Haben Sie den richtigen Mann als Vater?“) und schlafe dann bei weit geöffnetem Fenster in sehr weißen Laken ein. Draußen rauscht der Hamburger Verkehr durch die Nacht, an Eckkneipen und Filmteams vorbei.
Am Frühstücksbuffet bin ich dann erst einmal alleine auf weiter Flur. Die Anderen kommen irgendwann schlaftrunken und mit dicken Augen an meinen Tisch geschlurft. Und, wie war’s? „Cool“, „nett“ und „jaaaoooo…“, tröpfelt es vereinzelt aus marmeladeverschmierten Mündern. „Sophie hat sich auf Türkisch mit einem Schlachter unterhalten“, murmelt ein Kollege.
Ich grinse. Das wäre eigentlich mein Job gewesen. Ich mag zwar kein Bier – aber Sophie ist Vegetarierin.
