Tag 22: Zurück in die Zukunft

Science-Fiction-Filme aus den 60er Jahren finde ich zum Schießen. Marsbesiedlung im Jahr 2000, Gedankenübertragung und Beamen als normale Fortbewegungsart gehören zum Standardrepertoire. Wie sich Filmemacher, wie sich Menschen eben die Zukunft so vorstellen.
Über den Fortschritt nicht im technischen, sondern im sozialen Sinne gibt es weniger Überlegungen.

Ob wir fahren oder fliegen, den Weltraum oder die Erde entdecken, finde ich persönlich nicht so wichtig – aber wie steht es mit der Art Gemeinschaft, in der wir leben werden? Wird es Nationalstaaten und den Sozialstaat dann noch geben? Und damit so ein Konzept wie „Rente“? Hat sich unser Gesellschaftssystem dann selbst überholt? Wird sich die Familie behaupten oder kommen neue Formen von Zugehörigkeit, etwa das selbst gewählte Leben in einem Mehrgenerationenhaus oder mit Wahlverwandten?

Wir treffen Dirk Bathen zum Gespräch. Der ist zwar Zukunftsspezialist, trägt aber ein original Brillenmodell aus den 50er (oder 60er?) Jahren mit strengem schwarzem Rahmen. Der Trendforscher aus Hamburg erinnert mich damit sofort an einen Piloten aus längst zurückliegenden Zeiten. Dabei schaut er von Berufs wegen nach vorne. Und, wie wird es der Sozialen Marktwirtschaft, wie wird es uns in 20 Jahren oder mehr gehen? Welche Faktoren werden da relevant sein?

Der demographische Wandel, sagt Bathen (also doch keine Rente), Globalisierung, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufgeht und Ökologie eine noch stärkere Rolle spielen wird. Okay, das haben wir schon einmal irgendwo gelesen, macht Sinn. 

Spannend wird es, als Bathen sagt, dass der Kassenzettel den Stimmzettel ersetzt hat. Nicht vorrangig der Bürger entscheidet in Wahlen, sondern der Konsument an der Kasse. Wer bewusst einkauft (z.B. ja zu Fair Trade, nein zu Billigtextilien), lenkt damit Unternehmenspolitik. Ist das die Alternative im Wahljahr 2009? Andere Kanäle der Einflussnahme nutzen? Politikverdrossenheit kennen wir schon, Konsumverdrossenheit noch nicht.

Allerdings wäre das ein einfacher, da binärer Code. Kaufboykott heißt: Ich mag dein Unternehmen oder deine Produkte nicht (oder ich kann sie mir nicht leisten), kaufen heißt: „ich liebe es“. 0 oder 1, das ist die Formel der Zukunft.

Die „brave new world“ hatte ich mir ein wenig spektakulärer vorgestellt…

24.08.2009 | jochen peters

schöner beitrag, dazu hätte ich gerne mehr gelesen. leider kommt das auch im film etwas zu kurz weg. spannend wäre es gewesen, mal einen unternehmensvertreter zu befragen, wie und ob sie einbrüche im Umsatz auf aktive kaufentscheidungen (oder eben des verzichts) der konsumenten zurück führen.