Blog
zurück zur Übersicht
Tag 20: Da schlägt das alte Tramperherz
Der Klassiker: Sie stehen am Straßenrand, sehen schon ein wenig weich gekocht von der Sonne aus und halten das traditionelle Pappschild mit dem aktuell wichtigsten Ziel in der Hand - die Tramper.
Mit unserem Regisseur zusammen bin ich vom letzten Hotel später gestartet. Die Anderen fahren schon voraus. Platz haben wir also noch im Auto und der Regisseur hat vor allem ein großes Herz. Er will umdrehen und das junge Pärchen einsammeln. Ist es sein gutes Herz, das ihn dazu treibt oder hat es vielleicht doch nostalgische Gründe? Stand er selbst schon in der Jugend verfroren an Autobahnraststätten und keiner nahm ihn mit? Oder schwitzte er auch in der Sonne ohne die Chance auf eine Heimfahrt?
Ergriffen von all den fiesen Vorstellungen mache ich auf der Rückbank Platz für Richard und Judith, unsere Zwischenmieteautonutzer. Freudig und erleichtert begrüßen uns beide. Sie scheinen die Schule gerade erst beendet zu haben, teilen aber gleich mit, dass sie bereits studieren. Er redet gern über das, was sie hier so gemacht haben, woher sie kommen, was sie studieren und warum er unsere Reise cool findet. Sie hingegen überlässt ihm den Entertainmentteil der Reise und schaut aus dem Fenster. Ich halte es ähnlich. Dafür diskutieren der Regisseur und Richard angeregt über die Definition von Sozialer Marktwirtschaft. Eine richtige Definition finden sie auch nicht, aber immerhin verspricht Richard fleißig die Filme zu schauen, um sich selbst mal ein Bild zu machen.
Angenehmes Schweigen tritt ein. Die wichtigsten Eckdaten über Herkunft und Reisegrund sind ausgetauscht. Damit die Stimmung aber nicht sinkt, entscheiden wir uns dafür, die Tramper mit unseren derzeitigen Lieblingspopstücken zu beschallen. Justin Timberlake und Konsorten schallen durch den Raum und der Regisseur und ich lassen es uns nicht nehmen, unsere mittlerweile sehr geübten Mitklatsch- und Tanzbewegungen vorzuführen. Richard und Judith wirken verstört. Sagte er doch erst kurz vorher, wie froh er ist, dass er immer nur zu vernünftigen Leuten ins Auto steigt. Und nun schaut er so komisch...und sagt, dass sie am nächsten Rasthof aussteigen wollen. War unsere Musik vielleicht zuviel des Guten?
Wir fahren ohne die beiden wieder vom Rasthof los und drehen die Musik noch mal richtig auf. Uns macht’s schließlich Spaß.
