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Tag 19: Fetzen der Erinnerung
Komisch, was einem von einer langen Reise wie Deutschland 24/30 in Erinnerung bleibt. Mal ein Mensch, der einen beeindruckt hat, ein bestimmter Satz, dann wieder Kleinigkeiten, die eigentlich nebensächlich sind.
Zum Beispiel die Toilette unseres Hotels in Unna, ein altes Gutshaus mit hölzernen Fensterläden, in denen jeweils ein ausgeschnittenes Herz lächelt: Überall prangen handgemalte rote Blümchen, auf den Kacheln, dem Toilettenpapierhalter, der Seifenschale, im Waschbecken, auf dem Toilettendeckel, der Bordüre. Wie im Spiegelkabinett! Ich sage Jimmy Bescheid, der sich ungelogen eine Viertelstunde in der Toilette einschließt, die neben dem Frühstücksraum liegt, und seiner Fotografenseele freien Lauf lässt. Klopfende Gäste ignoriert er, glaube ich.
Und dann die Lollis auf der Frühstückstafel: rot-weiß gemustert und auf ein Holzbrettchen aufgereiht lachen sie uns Verschlafene an, als wir die ersten Schritte des Tages gen Brötchen und Zwiebelmuster-Geschirr tapern. Toll, denke ich, das ist ja mal eine nette Geste für Gäste mit kindlicher Seele wie mich! Erst später sehe ich, dass auf dem Holzbrettchen mit Edding „Danke fürs Nichtrauchen!“ steht.
„Das haben wir in den Anfangszeiten des Rauchverbots eingeführt“, klärt mich eine Angestellte in schwarz-weißer Schürze auf. „Da mussten wir den Rauchern freundlich, aber deutlich eine Alternative anbieten…“
